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häusliche Pflege,  Verschiedenes

Was ist eigentlich „Zufriedenheit“?

Zufriedenheit – was ist das eigentlich und woher kommt sie? Kennt ihr das? Manch einer ist immer unzufrieden und nörgelt, während andere immer ausgeglichen und relativ guter Stimmung sind? Ich durfte das über Jahre hinweg bei mir in der Familie live beobachten – und meine Schlüsse daraus ziehen…

Meine ganz persönliche Theorie ist folgende: Zufriedenheit kommt einzig und allein von innen heraus. Nur man selbst entscheidet letztlich, wie zufrieden man ist. Nicht die Umwelt, nicht die Dinge, die passieren und nicht andere Menschen. Das Unbequeme daran ist, dass ich selbst dafür verantwortlich bin, wie es mir geht – das Schöne ist, dass ich selbst entscheiden kann, was ich aus einer bestimmten Situation mache!

Wahrscheinlich werden jetzt einige denken: „Das ist aber ganz schön extrem! Und da muss man folgendes beachten… Schließlich gibt es immer Situationen, für die man nichts kann…“ Dazu möchte ich nur folgendes Beispiel erzählen:

Meine Großeltern waren 63 Jahre verheiratet. Nicht immer glücklich aber beständig. Der größte Unterschied zwischen den beiden war folgender: meine Oma war fast immer am Nörgeln, mein Opa war fast immer relativ zufrieden. Mein Opa hatte als running gag folgenden: „Wenn deine Großmutter nichts zu motzen hat, ist sie nicht zufrieden!“ Als ich klein war, habe ich mir nichts dabei gedacht. Erst im letzten Jahr ist es mir ganz deutlich aufgefallen: Meine Oma konnte mit 85 Jahren noch draußen spazieren gehen, schwimmen gehen, puzzlen, lesen, gut essen, auf dem Balkon sitzen und andere Kleinigkeiten machen. Mein Opa war zeitgleich mit 93 Jahren blind und bettlägerig.

Von meiner Oma hörte man ständig: „Mir ist langweilig! Ich kann überhaupt nichts machen!“ Alles, was sie noch machen konnte, war ihr nicht recht und nicht genug. Sie war unzufrieden, weil sie nicht mehr stundenlang putzen konnte, weil sie nicht mehr den halben Tag in der Küche stehen konnte, weil sie keine langen Wanderungen mehr machen konnte, weil…, weil…, weil…
Und mein Opa? Er lag im Bett, nach einem Schlaganfall völlig erblindet und was sagte er? „Mir geht es doch gut! Ich weiß gar nicht, was ihr habt! Ich habe keine Schmerzen und das ist die Hauptsache. Wenn ich müde bin, kann ich schlafen und wenn ich wach bin, ist immer jemand da, ich bin nicht allein und ich kann an all die schönen Dinge denken, die ich gemacht habe. Mir geht es gut! Ich bin zufrieden! Wer weiß, vielleicht werde ich noch 100.“

Warum also sehen manche Menschen nur das, was nicht mehr geht, das, was fehlt und das, was nicht so läuft wie geplant während andere sich über das freuen, was sie haben, auch wenn es noch so wenig, klein oder für andere nichtig sein mag?

Dazu passt auch folgende Anekdote: Vor Corona war ein Circus in der Stadt. Mein Opa liebte Circus über alles. Als ich jünger war, ist er mit mir oft hingegangen. Nun lag er im Bett. Aber er wollte uns anderen eine Freude machen und lud die ganze Familie in den Circus ein. Da er seine Frau kannte, fragte er sie hinterher direkt, wie es ihr gefallen hatte. Antwort: „Die Musik war zu laut!“ Er hat schallend gelacht.

Inzwischen ist mein Opa ruhig und friedlich zu Hause gestorben. Doch werde ich eines nicht vergessen: ob ich zufrieden bin oder nicht, liegt nur in mir selbst, denn Zufriedenheit kommt von innen heraus nicht von außen! Ich allein trage die Verantwortung dafür, welche Seite der Medaille ich sehe – und so traurig es ist, diese Verantwortung kann mir niemand abnehmen und ich kann sie auch niemandem aufbürden. Ich allein entscheide…

5 Kommentare

  • Yerdi

    Eins habe ich mit deinem Opa gemeinsam… Ich liebe den Zirkus auch,nur meine Tochter findet es zu laut 😉
    Das finde ich auch ob wir zufrieden sind oder nicht liegt nur an uns selber, ob unsere Laune positiv ist oder negativ ob wir positiv denken oder negativ ob wir über alles meckern oder ob wir nur diskutieren.
    Ich bin viel zufriedener geworden als ich nur das Meckern weggelassen habe. Ich habe in einem Seminar die Aufgabe bekommen jedes Mal wenn ich mich bei meckern erwische ein Strich zu machen. Ob es jetzt einfach nur ist wenn der Bus eine Minute zu spät ist oder wenn nichts im Fernsehen läuft oder oder oder…jedes meckern wurde notiert und dass ich am Ende gesehen habe wie viel ich meckere am Tag.
    Dass mein Unterbewusstsein darauf reagiert und ich allgemein unzufriedener bin und eine schlechtere Laune habe, damit auch automatisch unzufriedener bin. Ich finde jeder sollte an sich selbst arbeiten und der wird zufriedener sein mit sich selbst und mit seinem Leben.
    Liebe Grüße
    Yerdi

    • Marianne Larisch

      Lieber Yerdi,
      ja, sehe das genau wie du. Es ist erstaunlich, wie es sich auf unser Gefühlsleben auswirkt, wenn wir einfach mal genau hinsehen, wie zufrieden oder unzufrieden wir sind. Ich bin ebenfalls viel zufriedener seit ich mich entschieden habe das ganze unnötige Meckern weg zu lassen. Meine Strichliste wäre vorher vermutlich ziemlich lang gewesen 😉

      Ich wünsche dir weiterhin alles Gute auf deinem Weg!
      Marianne

  • Emilie

    Sehr interessanter Artikel und gut geschrieben. Die Frage was ist eigentlich Zufriedenheit ist recht spannend. Für mich bedeutet Zufriedenheit einfach glücklich sein, mit dem was man hat und ist. Äussere Umstände lassen sich nur bedingt ändetn. Man sollte versuchen, sein Schicksal anzunehmen und das Beste daraus zu machen, dann ist man auf Dauer zufriedener, als wenn man immer versucht, alles zu ändern.
    LG Emilie

    • Marianne Larisch

      Liebe Emilie,
      vielen Dank für Dein tolles Feedback! Wir haben leider wirklich verlernt uns an dem zu erfreuen, was wir haben. Viel zu oft verspüren wir den Drang nach mehr oder etwas Neuem und fühlen uns dann enttäuscht oder wertlos, wenn wir nicht noch mehr erreichen können oder eine Situation einfach nicht geändert bekommen, obwohl es oft reichen würde unsere Einstellung dazu zu ändern. (Das gilt natürlich nicht für Situationen, die dringend verändert werden müssen, um Unrecht oder Ähnliches zu vermeiden)
      Liebe Grüße und bleibe zufrieden 😉
      Deine Marianne

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