Larveneltern

Rückblick: Kindergeburtstag im Lockdown

Was war euer eindrücklichstes Erlebnis während der Coronazeit?

Meins waren die Geburtstage meiner Kinder. Alle beide hatten während der Zeit Geburtstag als die Schulen, die Geschäfte und alle Freizeiteinrichtungen geschlossen waren. Groß- und Urgroßeltern durften nicht besucht werden und die Freunde auch nicht.

Ja, das war hart und doch hat es uns eine ganz neue Sicht auf die Dinge ermöglicht. Zum Beispiel die Geschenke: Wir haben mit unseren Kindern darüber gesprochen, dass die Geschäfte zu sind und wir keine Geschenke kaufen können. Natürlich kam ganz enttäuscht die Frage, ob wir nicht welche bestellen könnten, die dann mit der Post kommen. Also haben wir erklärt, dass alle Geschäfte in der Innenstadt, in die die beiden gerne gehen Miete zahlen müssen und dass alle Menschen, die dort arbeiten ebenfalls Geld brauchen, um Essen zu kaufen und Miete zu zahlen. Und wenn alle Leute nur noch online einkaufen, müssen die ganzen Geschäfte schließen, weil sie dann kein Geld mehr haben, während der Mann, dem das große Onlinekaufhaus gehört immer reicher und reicher wird…

Am Ende haben beide erklärt, dass sie lieber auf ihre Geschenke warten wollen, bis sie wieder hier in der Stadt einkaufen gehen können. Oh, was war ich stolz 😉

Schwieriger hingegen war es, dass kein Kindergeburtstag stattgefunden hat. Zum ersten Mal seit sich die beiden erinnern konnten, durften sie keine Freunde einladen. Ja, für uns Eltern war das ganz angenehm – unsere Kids haben direkt nacheinander Geburtstag. Erst der Kleine, am Tag drauf die Große. Jeder natürlich mit eigener Feier zu Hause, mit Freunden, in der Schule und dann noch die Verwandten, die ebenfalls an zwei Tagen kommen (meine Familie und die meines Mannes an je einem Tag). Man könnte auch sagen, wir haben jedes Jahr zwei Wochen lang nur Kindergeburtstag und Kuchen backen… Und plötzlich war das komplette gesellschaftliche Leben eingefroren und wir hatten genau zwei Geburtstagsfeiern – beide nur zu viert. Und es war schön. Ohne Trubel, ohne Organisation, ohne Stress.

Jedes Kind durfte sich an seinem Tag eine besondere Geocaching-Tour aussuchen, die wir dann als Geburtstagstour gemacht haben. Sonst haben wir Eltern am Kindergeburtstag die Schatzsuche veranstaltet, diesmal waren wir ebenfalls einfach nur Teilnehmer. Und die Kids hatten auch Spaß. Omas, Opas, Urgroßeltern, Tante und Freunde haben einfach per Telefon gratuliert, Lehrer und Mitschüler per Klassenchat.

Das bedeutet, wir haben alle zusammen gelernt, dass Geschenke ruhig ein paar Wochen warten können und wir zu viert als Familie einen besonderen Tag verbringen können, ohne, dass es „zu wenig“ ist. Gerade, wenn man aus einer großen Familie kommt, ist das nicht selbstverständlich… Und wir haben gesehen, dass Empathie und Mitgefühl gerade bei Kindern stärker sind als Gier und jeder etwas Kleines tun kann, damit die Gesellschaft als Ganzes besser funktioniert und möglichst niemand auf der Strecke bleibt.

Von daher kann ich nur sagen: jede Krise birgt auch eine Chance, man muss sie nur wahrnehmen.

Was war euer eindrücklichstes Erlebnis in den letzten vier Monaten? Was nehmt ihr mit in die Zeit „nach Corona“ (wenn sie irgendwann kommt)?

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